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Astrologie-Redaktion

Keplers letzte Reise

12.09.2021


Gerade, wie ich die Datei öffne, um eine kleine Geschichte über einen großen Astronomen und einen kleinen Verleger aufzuschreiben, hat die Dämmerung draußen schon ihr dunkelblaues Tuch aufgeschüttelt. Es ist Tagesschauzeit, und leicht übergroß steht der Mond als poetische Sichel am Himmel. Eine ganz leichte Wolke, schmal und transparent, fließt an ihm vorbei. Zart wirkt das alles. Während die Welt unten kämpft, ums Rechthaben beim Impfen, um Tore auf Schalke und die noch größere Trauer über 9/11.

Schütze-Mond, Reisezeit, Gedanken fliegen lassen, philosphieren. Eine schöne Stunde. Die richtige Stunde.
Also: Es war wohl so Anfang Juni im Jahr 2 nach Corona, ich war in der altehrwürdigen Stadt Regensburg unterwegs. Mit dem Bus zum Fischmarkt, ein kurzes Stück die Keplerstraße lang. Das Keplermuseum hat einen Bauzaun umgestellt bekommen, es wird renoviert und neu eingerichtet. Ein üblicher Anblick. Als Astrologe werf ich dann immer einen kurzen und eher schüchternen Blick rüber zu unserem berühmten Gast. Im inneren waren vor der Renovierung Texttafeln aufgestellt. "Astrologie", so erfuhr man darauf, "hat der Mathematiker natürlich nur zum Geldverdienen betrieben."

Man ehrt seine Rechenkünste und seinen Wagemut bei der Neugestaltung des Sonnensystems. Seine meta-physische Seite ist der Gesellschaft von heute eher unangenehm. Ebenso wie der Hexenprozess gegen seine Mutter. Die Mutter des Astrologen, eine Hexe! Das passte manchem gut damals. Heute weiß man es besser.
Naja, das sind so Gedanken, die mir in Windeseile durch den Kopf ziehen. Eigentlich bin ich ja eher mit der Frage beschäftigt, wo heute der Kaffe wohl besser schmecken wird.

Wenn ich in der Stadt bin und über die Pflastersteine lauf, die vielleicht schon die Römer gesehen haben, ein paar Rittersleute, Kaufleute und Ratsherren, Könige und Kaiser auf dem Weg zum Reichstag, dann will ich wenigstens beim Buchhändler vorbei schauen, und hören was es Neues gibt.
Nach der Begrüßung hielt er sich dann gar nicht lange mit Stadtgesprächen auf, sondern rückte sogleich mit einem Anliegen heraus. Er hätte ein kleines Büchlein bekommen, so hundert Jahre alt. Eines über den Johannes Kepler in Regensburg. Und weil das nicht mehr aufgelegt wird, wollte er mich fragen, ob ich mir das nicht vorstellen könnte für mein Verlagsprogramm.

Ein Kepler-Buch? In meinem kleinen Verlag? Von mir als Astrologe? Ganz ehrlich, da jubeln alle Körperzellen, und über 400 Jahre Geschichte sind keine Last, sondern reine Freude! Die Geschichte selbst erzählt die letzten Tage im Leben Keplers, die er in Regensburg verbrachte. Er war öfter in der Stadt, besaß zeitweise auch selbst ein Haus, und hielt vor dem Regensburger Reichstag Reden, die landesweite Bedeutung hatten.
Und Kepler war schließlich auch der Begründer der neuzeitlichen Astronomie und Mitbegründer des modernen wissenschaftlichen Denkens. Mit seinen Berechnungen und Entdeckungen war er zweifellos ein Türöffner vom Denken des Mittelalters hinein in die Neuzeit.

Die Geschichte wurde vor gut hundert Jahren geschrieben, in einem sehr anständigen Neuhochdeutsch. Dadurch lebt für mich der Umgang miteinander in jener Zeit sehr schön wieder auf.

Wieder zuhause angekommen, legte ich das wunderbare kleine Büchlein neben mich auf den Tisch. Ich wollte einen streßfreieren Moment finden, um die ersten Seiten zu lesen.
Dieser streßfreie Moment kam dann an einem wunderbar sonnigen Samstag Nachmittag. Es war der 26.06.2021. Ich schob mir einen Gartenstuhl in den Schatten unter den Holunderbaum, und schlug um genau 14:56 MES das Buch auf. Die Zeit nun ist für die Astrologie-Interessierten durchaus interessant. Ich zeige dazu erst einmal das Horoskop von Johannes Kepler, so wie er es wohl selbst notiert hatte:

 


Johannes Kepler, 27.12.1571, 13:31 Uhr MEZ

 

Es ist dazu interessant zu wissen, dass unterschiedliche Geburtszeiten zu Kepler kursieren. Darunter die hier verwendete um 13:31 Uhr, in "Harmonice mundi" wird 14:37 LMT angegenen. Die deutsch-britische Historikerin Ulinka Rublak hatte in ihrem wirklich phantastischen Buch »Der Astronom und die Hexe« nochmals eine neue Zeit nach ihren Recherchen angegeben, nämlich 1:30 Nachts. Auf meine Nachfrage stellte sich das aber als Irrtum heraus.

Nun lege ich den Zeitpunkt, als ich als zukünftiger Neuverleger des Büchleins es zum ersten Mal gelesen habe, über das Horoskop Keplers.

 


Buch gelesen, 26.06.2021, 14:56 Uhr MES

 

Als Astrologe, und Kepler war ja zweifellos auch einer der bedeutendsten, kann man sich doch nur freuen, wenn man diese Synastrie hier erstellt.
Der Mond des Lesens lag genau auf der Spitze des 10. Hauses von Kepler.
Die Venus lag genau auf der Spitze des 4. Hauses von Kepler.

Fragen Sie mich jetzt bitte nicht nach der Deutung. Letztlich ist mir diese auch gar nicht so wichtig. Aber dass Mond und Venus, Heimat und Kunst, hier exakt die Hauptachse der Hauptperson berühren, ist für mich eine wunderbare Schönheit im Ablauf der Leben aus so unterschiedlichen Zeiten!
Der Autor selbst, Wilhelm Sebastian Schmerl, hat dann auch noch einen Tag vor mir Geburtstag. Sollte das alles Zufall sein? Oder will diese Geschichte gerade jetzt wieder gelesen werden?

Das ist es, was die Astrologie für mich so wertvoll macht: Zu sehen, dass das Universum eben kein Würfelspiel eines Las-Vegas Zockers ist, sondern eine Harmonices mundi, eine Weltharmonie.
Die Dinge, und davon bin ich zutiefst überzeugt, laufen in einem sinnvollen Rhythmus ab. Wege kreuzen sich, um Schicksale auf welche Weise auch immer zu verbinden. An diesem kleinen Stück Weltharmonie wollte ich Sie mit meiner Geschichte teilhaben lassen.

Und wenn das Buch Sie interessiert:


Es heißt: Johannes Keplers letzte Reise

978-3-934983-78-6
84 Seiten, Taschenbuch

und kostet 10 Euro bei Ihrem Buchhändler.



Aus dem Nachwort:
Sterndeutung und Sternvermessung, also Astrologie und Astronomie, waren von Angang an ein Geschwisterpaar. Die Vermessung und die Deutung der Gestirne bedingten einander. Auch Johannes Kepler, einer der größten Gelehrten seiner Zeit, bediente sich der Astrologie. Und ich bin sicher, dass kein großer Geist dies ein Leben lang tut, wenn er weiß, dass er einem unsinnigen Spaß nachläuft. Dafür haben diese Menschen einfach keine Zeit.
Dass Kepler die Astrologie nur zum Geldverdienen betrieb, ist ebenso eine Mär, wie die längst widerlegte Tatsache, dass sein Mutter eine Hexe war. Beides sind Gerüchte, deren Haltbarkeit noch immer nicht abgelaufen ist, aber es bleiben doch nur Gerüchte.
Die Astrologie hat es schwer in unserer Zeit. Ernsthafte Erforschungen gibt es nur von ganz wenigen Astrologen, denn diesen Luxus kann sich ja kaum jemand leisten. In dieser Disziplin bezahlt der Staat keine Professorengehälter und ohne bezahlte Hilfskräfte bleibt ein Vorankommen meistens Stückwerk. Der Philosoph Paul Feyerabend hat in seinem Buch »Erkenntnis für freie Menschen« von diesem Dilemma berichtet.
Immer liegen einzelne Disziplinen im Widerstreit. Auch dieses Buch erzählt von dem Kräftemessen zwischen dem Gelehrten, dem Theologen und dem Mediziner. Wahrscheinlich müssen noch ein paar Jahre mehr vergehen, ehe sich die jetzigen Kontrahenten miteinander verbünden. Und wenn jeder seine Talente in den Hilfsfond der Menschlichkeit wirft, und keiner eines dieser Talente mehr ablehnen muss, dann könnte das prophezeite Goldene Zeitalter anbrechen.





 


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