KernAstro







Astrologie-Redaktion

Die Reinigung des Saustalls. Herakles 2007

12.10.2021


Einer der Aufgaben des Herakles bestand in der Reinigung des Viehstalls des Augias während eines Tages. Weil aber ein griechischer Halbgott trotz riesiger Körperkräfte kein Mistbauer ist, leitete Herakles kurzerhand den Fluss Alpheios um, der die Arbeit für ihn schnell erledigte und den ganzen Dreck präzis und schnell wegspülte.

Artikel von Robert Müntefering, zeitdiagnose.de, am 27.02.2004.
Ich nehme seinen Artikel auf, weil der Titel "Herakles 2007" von mir stammte, und Robert nicht in Vergessenheit geraten soll.


Die mythologischen Bilder haben als Gleichnisse im Realen auch heute noch die Kraft zur Orientierung, denn genannter Vorgang wird ohne weiteres verstanden. Ist ein Stall nur lange genug nicht gemistet worden, hilft nur noch die Radikalkur, um Abhilfe zu schaffen.

Genau diesen Vorgang verspricht jede parlamentarische Opposition ihren Wählern, solange sie noch nicht an der Regierung ist. In Erinnerung ist noch das bekannte Saustall-Zitat von Franz-Josef Strauß am politischen Aschermittwoch in Passau in den späten siebziger Jahren. Dann von den Oppositions- auf die Regierungsbänke gewechselt, bleibt von den Wahlversprechen meist nicht viel übrig, weil der alte Mist des Augiasstalls sich viel zu hoch aufgetürmt hat und keine Regierung gewillt und in der Lage ist, wesentliche Mistverursacher des Stalles zu verweisen. Es versteht sich von selbst, dass eine Volksvertretung, die zu über 50 % aus Beamten besteht, kaum diesen mit Unkündbarkeit und Pensionsberechtigung privilegierten Stand antasten wird. Dass bestimmte Ordnungsfunktionen wie Polizei und Militär in Hoheit des Staates bleiben müssen, wird niemand bestreiten, aber weswegen beispielsweise Lehrer an öffentlichen Schulen Beamte sein müssen, ist nicht einsehbar. Zumal dann nicht, wenn, wie unlängst über die Pisa-Studie festgestellt, das Bildungsniveau an deutschen Schulen eine deutliche Abwärtstendenz zeigt. Das Gleiche gilt für den Großteil des öffentlichen Dienstes. Es ist dringend gefordert, dass das Prinzip des Leistungsnachweises, dem Angestellte in freien Wirtschaft wie auch alle Freien Tag für Tag ausgesetzt sind, das Prinzip der Unkündbarkeit ersetzt.

Die wirtschaftliche Entwicklung oder genauer gesagt, Abwärtsentwickung wird auch in der zweiten Hälfte der Legislaturperiode der gegenwärtigen Regierung anhalten. Lässt man die Möglichkeit von Neuwahlen außer Acht, so ist auch ohne Astrologie davon auszugehen, dass nach den regulären Bundestagswahlen im Herbst 2006 der neue Kanzler von der Union gestellt wird. Daraus nun zu schlussfolgern, dass sich dadurch die wirtschaftlich-soziale Situation des Landes dramatisch verbessern würde, scheint angesichts der Struktur des Frühjahräquinoktiums 2007 berechnet auf Berlin kaum gegeben. Im Gegenteil, es zeichnen sich hier deutlich Reaktionen auf die Nichterfüllung der lang erhofften Besserung ab.

 


(21.3.2007,00:07:22 GMT, Berlin)

 

Mit einem Schütze-AC und Jupiter im ersten Haus geht es um die Anschauung von etwas, was im Realen aufscheint, zu deutsch: die Existenz. Wenn die Vulgärastrologie den Jupiter stets als das große Füllhorn betrachtet, so ist das nur insofern richtig, als dass das gefüllte Horn auch mit einer Null-Menge gefüllt sein kann. Der Jupiter im ersten Haus ist demnach auf die Existenz gerichtet und sagt zunächst noch nichts über die Beschaffenheit dieser Existenz aus. Dass ein solcher Jupiter nichts anderes anschauen kann, wird deutlich an der Radix des Existenzphilosophen Martin Heidegger, das die gleiche Grundstruktur aufweist, freilich mit der Sonne in Haus zehn in der Waage, die sich nicht mehr auf das reine Phänomen bezieht, sondern auf das Bestimmende der Existenz. Mit der 0° Widder-Sonne im dritten Haus geht es hier jedoch eindeutig um die Existenz im Realen und nicht um das Sein des Seienden.

Mit Mars-Neptun (Opposition Saturn) im zweiten Haus, der klassischen Hochwasser-Konstellation, finden sich exakt die Bedingungen obengenannten Heraklesverfahrens. Egal, welche Partei und welche Politiker 2007 dem deutschen Staat vorstehen, sie müssen gegenüber ihren Wählern den Offenbarungseid leisten. Mars-Neptun im zweiten Haus vollzieht sich mit den Worten Friedrich Nietzsches unruhig, gewaltsam, überstürzt: wie ein Strom, der ans Ende will, der sich nicht mehr besinnt, der Furcht davor hat, sich zu besinnen. Es kann kaum als Zufall gewertet werden, wenn der Neptun dieses Äquinoktiums im mundanen Planetenvergleich eben diesen Philosophen herauszieht. 2007 kann der Wechsel nicht mehr verlängert werden. Es ist mit sozialen Umwälzungen radikaler Art zu rechnen. Es werden Hunderttausende auf der Straße stehen und sie werden dort nicht stehen bleiben. Wie um Weihnachten im georgischen Tiflis als die Volksmassen auf einmal im Parlament standen. Deutsche machen so etwas nicht? Sie lösen nach dem zynischen Leninwort erst die Bahnsteigkarte, bevor sie den Bahnhof stürmen? Da wäre ich nicht so sicher!


Robert Müntefering (1949-2014)

 




Zurück zur Übersicht