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Astrologie-Redaktion

Viagra - oder: Immer wenn er Pillen nahm

27.04.1998


"Was steht denn da?" war eine Überschrift in der Zeitschrift Spiegel, mit der auch dieses ehrwürdige Blatt der neuen Wunderdroge für die Männlichkeit ihren Tribut zollte.

Viagra heißt eine blaue Pille, die der Pharmakonzern Pfizer am 27.03.1998 auf den amerikanischen Markt brachte. Die Einführung in Europa wird derzeit noch geprüft.

 


Das Horoskop habe ich auf 00:00 Uhr New York erstellt. New York ist der amerikanische Sitz des Hersteller-Konzerns.

Was kann uns nun das Horoskop über die Pille, über männliche Potenz, über Märkte, Konzerne und Werbung erzählen? Alleine der Ascendent birgt eine Reihe von Deutungen und Interpretationen in sich. Der Schütze-Ascendent zeigt, daß es um eine großangelegte Sache geht, etwas Weltumspannendes. Der Schütze, in Verbinung mit Mars oder Haus 1 neigt ja immer zu einem enormen Energieeinsatz. Bunt und schillernd tritt hier etwas in Erscheinung, das sich mit Jupiter in Haus 3 auf Funktionelles bezieht. Es zeigt sich eine gut gefügte Funktionalität, bezogen auf die Körperlichkeit. An Übertreibungen spart ein Schütze selten, alles ist größer, schöner, schneller und besser. Mit Schütze-Ascendent stehen wir auf einem Gebiet, das sich nicht mit einem kleinen Radius abgibt. Sein Geist ist groß genug, die Welt in Armen zu halten. Man darf bei Schütze/Jupiter auch getrost an das Pferd, an den Hengst denken. Pferde gelten gemeinhin also Symbol der Sexualkraft, was sich unter anderem in der Begeisterung junger Mädchen für diese Tiergattung zeigt. Daß Jupiter auf 12 Grad in den Fischen steht, weist nach Döbereiner darauf hin, daß dieser Anlagenherrscher eine Qualität von Mars - Uranus aufweist. Nimmt man nur einmal die Stichworte dazu, erkennt man sofort, worum es geht: kein Vertrauen in die eigene Existenz, Versagensangst, Entscheidungsangst, Drang nach Fremdbestimmung, Aggressionshemmung, bei Männern der Zug ins Monumentale, bei Frauen die Suche nach dem starken Mann, zersplitterte Energie, der Drang zu Leistungsmonumenten führt zum Gipfelstürmen.

Schon die Anlage macht deutlich, daß es um eine funktionelle (Haus 3) Fügung (Schütze) der gestörten Manneskraft (Mars-Uranus) geht. Alleine die Existenz dieser Pille zeigt neben der Verbindung Mars-Uranus = Erektionshemmung schon an, wieviele Männer dieser Zeit unter der Situation im Allgemeinen stehen. Die Existenz, die Durchsetzung (Mars) ist aufgehoben, unterbrochen (Uranus). Die Männer stehen also offensichtlich in Lebensumständen, die ihnen als Mann nicht gerecht werden, wohl aber als Arbeiter und Wirtschaftsdiener. Eine Veränderung der Lebensumstände würde somit genügen, um die Standhaftigkeit in jeder Beziehung wieder selbst leben und erleben zu können. Der „Zug ins Monumentale“ wurde in dem Ausspruch des US-Politikers Dole offenkundig: „Die Wirkung mit Wow! Zu beschreiben wäre eine Untertreibung.“ Hat denn dieser Mann noch nie in seinen 50 sexuell aktiven Jahren eine befriedigende Nacht erlebt? Man könnte denken, er stand unter Drogen, was bei Jupiter in den Fischen ja nicht abwegig ist.

Jupiter in den Fischen (H 3), Neptun im Wassermann (H 2), Haus 2 Steinbock und Wassermann mit Uranus in 2 und Saturn in 4 im Widder - ein recht komplexer Zusammenhang. Wagen wir den Deutungsweg: Ich kann alles (Jupiter) bewegen (H 3), was gelähmt ist (Fisch H 3) und sich im Körper (Neptun H 2) zeigt. Das Körperliche selbst wird beherrscht vom Steinbock. Steinbock und Haus 2 zusammen weisen auf die soziale Pflichthaltung hin, auf den Ehrgeiz, reicher, mächtiger und angesehener zu werden, als es dem Menschen gut tut. Darunter leiden übrigens alle Schütze - Ascendenten. Dieses ständig unter sozialem Druck stehen bewirkt natürlich, daß der Körper (hier mit Steinbock und Wassermann) in eine Disharmonie gerät, einseitig wird. Die Seite wurde gewählt: Das Soziale Prestige. Alles andere, vor allem der Bereich des Empfindens und Erlebens fällt aus der Harmonie, fällt flach und so zeigt sich denn auch der männliche Erlebnis-Maßstab. Saturn, als Hauptregent des 2. Hauses steht in Haus 4 in Konjunktion mit Merkur und Saturn. Das seelische Empfinden wird intellektualisiert (Merkur-Saturn), die männliche Energie (Mars) ist blockiert (Saturn). Das vierte Haus, der Bereich der inneren Empfindungen, ist mit Widder im Aufruhr. Die Seele wehrt sich, schlägt um sich, es schmerzt im Innersten, doch Mars, Merkur und Saturn beschwichtigen sie mit Funktionalitäten, mit wissenschaftlicher Logik, mit der Angst, sich selbst durchzusetzen - „Wenn das jeder machte, wo kämen wir da hin!“

Die Umsetzungsebene der Pille sitzt mit der Sonne im Widder exakt an der Spitze des 4. Hauses. Umgesetzt wird also das männliche Empfinden, das sich Identifizieren als Mann - Zusatz: als Mann der Wissenschaft (Merkur-Saturn). Mit Mars - Saturn sind die Durchblutungsstörungen der Schwellkörper (H 4) angezeigt, die sogleich durch Technik (Merkur-Saturn) behoben werden. Die Durchblutungsstörungen werden aber nicht durch den Mann selbst behoben und darin liegt die Problematik und Gefahr, denn der Mann identifiziert sich über die Zeit hinweg mit der Intellektualisierung seiner Empfindungswelt. Es ist in meinen Augen ein weiterer Schritt zur Auslöschung des Empfindens. Immer wieder muß ich an die „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley denken. Dieses 1930 geschriebene Buch ist eine Vision der ganz besonderen Art, nämlich eine Vision, die sich genau wie beschrieben in der Zeit zeigt. Auch dort mußten die Menschen täglich ihr Soma schlucken, um glückliche, zufriedene Menschen zu sein. Ein eigenes Empfinden, Eigenart und Persönlichkeit sind damit nicht mehr möglich und auch nicht gewollt. Denn nur der lenkbare Mensch ist ein nutzbringender Mensch. Und meine Herren, wenn ich nicht mehr errigieren kann, ohne die Industrie zur Hilfe zu nehmen, wäre es angebrachter sich für das freiwillige Eunuchentum zu entscheiden. Auch das zeigt uns dieses Horoskopbild.

Zusammengefaßt kann man bis hierher sagen, es geht um die allzeitige Funktionsbereitschaft der männlichen Potenz, um den Zustand unserer Tage, daß dies auf naturgegebenem Wege nicht mehr möglich scheint und die Wissenschaft mit Hilfe der Medien und Industrie unter Ausschaltung der Innenwelt einen weiteren Siegeszug gegen das Leben vollführt. Über 8 Millionen (!) Männer in den USA seien errektionsunfähig, wird über die Medien mitgeteilt, als sei dies eine Berechtigung für die „Mach mir den Hengst“-Pille.

Daß diese Pille die weltweite Verbreitung noch gänzlich finden wird, scheint sicher, sieht man sich den Planeten Pluto an. Dieser sitzt in Haus 12, dem Unbewußten Aller, und setzt dort in aller Stille und Ruhe seine Informationen. Nachdem Pluto auf 8 Grad im Schützen steht, was nach Döbereiner die Bedeutung von Mars - Jupiter in sich trägt, darf man getrost annehmen, daß dieses Unterfangen von Erfolg gekrönt ist. Pluto in 12 informiert Alle darüber, daß es nun Mars - Jupiter gibt, daß nun die Dauererregung kein Problem mehr ist. Doch in Mars - Jupiter liegt natürlich auch die Übertreibung, die sich wie folgt zeigt: Mars Konjunktion Saturn/Merkur in Haus 4 ist, wie oben beschrieben, die Durchblutungsstörung, die nun funktionell behoben (Jupiter in 3) sich auf das rein Seelische beschränkt. Eine schlecht durchblutete Seele, eine blutleere Seele, funktioniert tadellos. Man mag mir das Wort Rammler in diesem Zusammenhang gestatten. Zu einer erfüllenden Sexualität gehört meines Wissens und Erlebens immer noch die innere Zuneigung. Gewiß eine Reizbefriedigung erhält man auch ohne Zuneigung, aber Erfüllung findet man doch erst in der Hingabe, dem inneren Wollen, Wünschen, Sehnen. Noch bevor die Hand die Frau berührt, hat die Seele sie schon umarmt. Dazu aber darf sie nicht blutleer sein, sondern sollte in aller Pracht erstrahlen, fließen und umschmeicheln. Dieses Horoskop zeigt genau diese Wahlmöglichkeit auf: Das Leben als Funktionsteilchen der Industrie oder die Aufhebung der derzeitigen Lebensumstände und das Hineinwachsen in eine Eigenständigkeit. Eigenständigkeit meint, nicht permanent auf fremde Hilfe und Stütze angewiesen zu sein. Es meint, ohne Kredite zu leben, es meint, unabhängig der gängigen Meinungen sein Leben zu gestalten.

Als Finalität, als das Ergebnis zeigt sich an der Himmelsmitte die Waage mit der Venus im Wassermann in Haus 2. Begegnungsfähigkeit wird auf die körperliche Ebene bezogen, wobei die körperliche Begegnung im Wassermann eine herausgehobene Stellung erhält. Echte Begegnungsfähigkeit und Partnerbereitschaft ist aufgehoben, bzw. zielt nur noch auf den Körperreiz ab. Und wie es der Zufall so will, bedeutet der Punkt von 20 Grad Wassermann, der Stand der Venus, Sonne - Pluto, also der Zwang auf das Leben, das Leben als Vorstellung, die ständige Brunftzeit Halbpubertierter.

Auffällig ist noch die Verbindung Jupiter - Pluto - Mondknoten. Die Sache an sich (Jupiter) mit dem Konzern (Pluto) und dem Kontakt mit Allen (Mondknoten). Bei Ebertin ist dazu zu lesen: Durch andere große Gewinne erzielen. Pluto, als Symbolik für das Konzernhafte hat einen unangreifbaren Stand in Haus 12, nach klassischer Lesart, die geheimen Feinde. Niemand wieß so recht, wer und woher gehandelt wird und dies ermöglicht wiederum dem Konzern, unbeachtet wirken zu können. Der Standort in 12, dem Unbewußten Aller, ermöglicht die Information an jeden und den Zugriff auf jeden, der in seinem Leben das Lebendige unterdrückt, nichtachtet. Diese Menschen haben keine Chance, sich der Pille zu entziehen.
Ganz witzig finde ich noch, daß Frauen eine Pille schlucken, die sie aus der Fruchtbarkeit holt, während Männer eine Pille bekommen, die sie zeugungsfähig hält. Beide Eingriffe in den Körper und die Fruchtbarkeit aber sind widernatürlich (Fremdwörterlexikon: pervers), und entfernen den Menschen von seiner Eigenart, ein empfängnis- und zeugungsfähiges Wesen zu sein. Sexualität und Fortpflanzung zählen aber zweifellos zu den grundlegendsten Urtrieben und unterscheiden Lebewesen immer noch von Maschinen. Und genau daran wird mit viel Wirbel und Stimmungsmache die technische Hand angelegt. Reagenzglaszeugung, Leihmütter, Sterilität, pharmazeutische Eingriffe in die natürliche Fortpflanzung - was wird als nächstes kommen? Man mag es erahnen, die Entwicklung läuft, und ein Ende wird Science-Fictionartige Formen aufweisen. Und wenn in 80 Jahren sich ein paar Fortpflanzer im Wald zusammenrotten, werden sie das Ende unseres Jahrhunderts verfluchen. 


Copyright © 1998 Peter Kern
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