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Astrologie-Redaktion

Die Pluto - Seite

20.01.2000


Die Deutungsversuche um Pluto sind noch immer recht unterschiedlich und - in meinen Augen - unbefriedigend. Man muß bedenken, daß mit den klassischen 7 Planeten schon Jahrtausende gearbeitet, gerechnet und gedeutet wird.

Inhaltsangabe

* Überlegungen zu Pluto
* Eine Einführung aus der griechischen Mythologie
* Hades und die Totenreiche
* Von der Unterwelt, von Persephone und Demeter
* Was schreiben die Astrologen zu Pluto?
* aus: »Der neue Planet Pluto« von F. Brunhübner
* aus: »Astrologie« von Ernst von Xylander

* aus: »Das wahre Gesicht der Astrologie« von Alfred Fankhauser
* aus: »Planeten im Composit« von Robert Hand
* aus: »Pluto-Das Erotische und Dämonische« von Weiss/Bachmann
* aus: »Der Mensch im Horoskop« von W. Knappich
* Pluto wird als Planet dem Zeichen Stier zugeordnet
* Die große »Erdmutter« und ihre Namen
* aus: »Traumpfade« von Bruce Chatwin
* Pluto im Horoskopkreis
* Pluto-Verbindungen

Überlegungen zu Pluto


Pluto ist der bislang zuletzt entdeckte Planet am Firmament.
Der 18.2.1930, 16:00 Uhr MST in Flagstaff, Arizona ist sein Geburtstag.

Die Deutungsversuche um Pluto sind noch immer recht unterschiedlich und - in meinen Augen - unbefriedigend. Man muß bedenken, daß mit den klassischen 7 Planeten schon Jahrtausende gearbeitet, gerechnet und gedeutet wird. Für Pluto hingegen stehen uns bislang nicht einmal 70 Jahre zur Verfügung - ein Menschenleben, das dem Geist seiner Zeit unterliegt, das geprägt ist von seiner Umgebung und seiner Erfahrung. Und diese ändert sich doch von Generation zu Generation. Auf diesem noch wackeligen Grund stehend, suche ich nach Deutungsbildern, Regeln, Formeln, deren Begründung und Herkunft.
Zu Pluto muß man in jedem Fall vorausschicken, daß er in den Ablauf der Entfernung von der Erde im Grunde ja nach Neptun kommt. Er umschließt als bislang äußerster Planet die Reihe Mond bis Neptun. Folgerichtig wäre er demnach hinter Neptun einzuordnen und käme damit im Widder zu liegen. Diese Theorie wird von dem Astrologen Vehlow und seinen Schülern vertreten. Es müßten, um diese Reihe zu vervollständigen noch zwei weitere Planeten hinter Pluto entdeckt werden, die dann im Zeichen Stier und Zwilling zu liegen kämen. Dies ist unwahrscheinlich, weil die heutigen Teleskope diese doch schon entdeckt hätten.

Die Astronomen sind sich zudem noch immer nicht so recht einig, ob Pluto nun als Planet, Planetoid, Kleinplanet oder Asteroid bezeichnet wird. Die Eigenschaften eines Planeten scheint er nicht zu haben. Zudem ist seine Bahn im Vergleich zu den klassischen Planeten extrem elyptisch und sehr stark geneigt. Diese äußerlichen Feststellungen lassen eine klare Einordnung in das astrologische System im Grunde gar nicht zu. Die Astrologie verwendet Pluto aber seit den 30er Jahren, und wie es scheint mit Recht. Worin liegt dieses Recht, wie ist es zu begründen, daß in immer kürzeren Abständen immer neue Himmelskörper in die Astrologie Eingang finden? Man denke nur an Cheiron, Vesta, Lilith oder Pholus.
Ist dies einfach eine Laune der Astrologen, die mit den klassischen Bildern immer noch nicht ausreichend umgehen können? Liegt es am zerteilenden Intellekt, der sich im Detail verlaufen mag, und den Zusammenhang aus dem Blick verliert? Oder gibt es letztlich doch die Notwendigkeit deshalb, weil der Mensch sich in gerade den vergangenen Jahrzehnten so außerordentlich verändert hat?
Ich hänge der letzten Aussage an. Die Lebensthemen haben sich tatsächlich gewandelt, der existentielle Kampf ist einer großen Sinnfrage gewichen. Welche Lebensform die bessere ist, ist dabei völlig unwichtig, entscheidend ist immer, was ist. Folgt man den Ausführungen des Philosphen Peter Sloterdijk, so hat das neuzeitliche Denken die alte »kosmologische Mitte« einem Weltalter Platz gemacht, daß er mit progressiver Dezentrierung bezeichnet. Der Mensch hat seine Mitte verloren, er hat die Sphären und Hüllen, die ihn bis in die Anfänge der Neuzeit umgaben, mit dem Intellekt durchstoßen, und findet sich im wieder in einer Atmosphäre kosmischer Kälte. Die Entdeckung des Uranus mag hier einen deutlichen Wendepunkt anzeigen. Uranus, heute ein Symbol der Ursprünglichkeit, der Echtheit und geistigen Einhauchung, wurde in dem Moment am Himmel, dort im Außen, entdeckt, als der Mensch sich seiner Ursprünge entledigte. Die vielzitierte französische Revolution war ein lebendiger Ausdruck der Ablegung der eigenen Ursprünglichkeit. Der Bauer und Bürger wollte plötzlich Minister und König sein. Er wurde es damals nicht, und so ist es auch heute noch. Ein Mensch muß zum König geboren werden. Wenn ein „bauernschlauer“ Bürger an die Macht kommt, beginnt das Chaos. Man schaue nur auf die heutige Politik und Wirtschaft, die nur ihre eigenen Interessen im Sinne hat, als neuer Adelsstand sich über die Bedürfnisse des Volkes hinwegsetzt. Die eigentliche Persönlichkeit, im Horoskop sicher der zweite Quadrant, wird seiner Selbst enthoben. Funktion und Sein sind gespalten durch Uranus, und der Mensch muß sich heute mühevoll auf den Weg machen, seine Echtheit und Ursprünglichkeit wieder zu finden. Was früher naturgegeben war, muß heute neu entdeckt werden.
Die Entdeckung Plutos war ein ähnlich starker Einschnitt in der Menschheitsgeschichte der Neuzeit. Ein Blick in das Buch »Meilensteine des 20. Jahrhunderts« bringt um 1930 zwei Hauptthemen zum Vorschein: Die Weltwirtschaftskrise und Die Machtergreifung. Damit sind schon drei Themen gekennzeichnet, die bei der Deutung Plutos von tragender Bedeutung sind: Geld, Macht und Wirtschaft. Sehr reale und profane Auswirkungen. Mit diesem Ausgangspunkt und den folgenden Erläuterungen möchte ich eine Zuordnung des Planeten Pluto suchen, die verläufig im Zeichen Stier enden wird. Wer will, mag ein Stückchen meiner Überlegungen mitgehen, und die Gedanken einer eigenen Prüfung unterziehen.

 

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Eine kurze Einführung zu Pluto aus der griechischen Mythologie
Textauszüge aus: Fritz Jürß, »Vom Mythos der alten Griechen«; Reclam-Leipzig.

Hades und die Totenreiche (Seite 83)
Der andere Bruder des Zeus war Hades, Herr der Unterwelt, der mit der Gottheit des Reichtums identifiziert wurde, da beide die ins Bild gebrachten unterirdischen Wirkungskräfte und Werte darstellten, die sich im Wachstum der Pflanzen und Früchte ebenso kundtaten wie in den Schätzen kostbarer Metalle. Hades als Herr der Unterwelt hat nichts mit dem Teufel dualistischer Religionen zu tun, der dort das Prinzip des Bösen und der Finsternis vertritt und den Menschen in Versuchung und mit List auf den verderblichen Pfad führt. Solches war den Griechen unbekannt. (Die Jenseitsvorstellung der Griechen bezog sich vielmehr auf das Elysium, die Insel der Seligen - Champs-Èlysées - die elysischen Felder. Dieser Bemerkung ist wichtig, da Pluto in heutigen Deutungen zuallermeist als das Böse, Dunkle, Verdrängte gesehen wird.)
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Von der Unterwelt, von Persephone und Demeter (Seite 89)
Die Gattin des Hades (=Pluto) war Persephone. Wie die Naturerscheinungen durch vielfältige Beziehungen miteinander verbunden sind, so waren es auch die sie abspiegelnden Götter. Persephone war eine Tochter der Demeter, die aus einer alten Erd- und Fruchtbarkeitsgottheit hervorgegangen ist. Als Demeters Tochter hat sie dann auch mit dem unterirdischen Bereich zu tun, aus dem ja alle Fruchtbarkeit und Frucht hervorgeht, ebenso wie Plutos, auch ein Sprößling der Demeter, damit zu tun hat.
Ein verbreiteter Mythos erzählt, daß Hades an Persephone Gefallen fand und sie zur Frau begehrte. Nun hatte er zwar die Zustimmung des Zeus, der als Vater der in Aussicht genommenen Braut galt. Aber Demeter war entschieden gegen eine Verbindung mit diesem lichtscheuen Gesellen. So entführte Hades seine Geliebte mit Gewalt. Verzweifelt über das Verschwinden, irrt Demeter überall umher, die Tochter zu suchen. Ihr Kummer bewirkt, daß die Erde öd und leer wird, weil keine Saaten mehr reifen können. Schließlich erfährt sie vom Sonnengott Helios, was geschehen war. Durch ihren Protest bei Zeus erreicht sie, daß Hermes die Geraubte aus der Unterwelt zurückholt. Der schlaue Hades aber hatte ihr einen Granatapfel zu essen gegeben, mit dem das mythisch-magische Denken einen Fruchtbarkeits- und Liebeszauber verband. So war denn Persephone an Hades gebunden. Hier half nur ein Kompromiß, der vertraglich vereinbart wurde. Danach sollte Persephone ein Drittel des Jahres bei ihrem Gatten unter der Erde, die restlichen zwei Drittel aber bei ihrer Mutter im Olymp verbringen.
Auf der Suche nach ihrer Tochter war Demeter auch nach Eleusis in der Nähe Athens gekommen, wo sie, weil sie freundlich Aufnahme gefunden hatte, den Menschen die Mysterien offenbarte. Das waren jene geheimnisvollen Riten, mit denen die Eingeweihten Persephones Wiederkehr und die Vereinigung der beiden Göttinnen feierten. Bei diesem neuntägigen Fest zog eine große Prozession von Athen nach Eleusis. Doch da bei den Kulthandlungen nur die Mysten zugegen sein durften, denen strenge Schweigepflicht auferlegt war, wieß man herzlich wenig, was sich da abgespielt hat. Im Mittelpunkt stand offenbar eine Serie okkulter Praktiken. Die Mysten mußten fasten, betraten nach langem Marsch in der Dunkelheit eine hell erleuchtete Höhlung, wo ihnen vielleicht die Heilige Hochzeit zwischen Priester und Priesterin - in welcher Weise auch immer - vorgeführt wurde. Sie hatten auch einen Zaubertrank, den Kykeon, einzunehmen, mit allerlei Gegenständen wie Kisten und Kästen zu hantieren und ihren Inhalt anzuschauen, unter dem sich wohl auch ein Abbild des Mutterschoßes befand. Überall ist die Beziehung zu Fruchtbarkeit und Sexualität deutlich. Doch auch die Erlösung von den Sünden und das durch die Einweihung garantierte selige Leben im Jenseits mußten eine wichtige Rolle gespielt haben, was gut zusammenpaßt mit einem Kult, der dem Tod und der Wiedergeburt der Vegetation gewidmet war.


Anmerkungen:
Aus beiden Abschnitten geht hervor, daß für die Fruchtbarkeit der Erde, für das Wachstum der Pflanzen sowohl Pluto als auch Demeter zuständig sind. Beide haben offensichtlich die Macht, das Land "öd und leer" werden zu lassen. Die Verbindung der beiden wird weiter unten näher betrachtet.

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Was schreiben die Astrologen zu Pluto?

Das Entdeckungsjahr Plutos (1930) sorgte für die allerersten Prägungen in der Deutung: Massenbewegung, dunkle Mächte, Tod und Niedergang.
Die astrologische Einleitung soll dem Astrologen Fritz Brunhübner gehören. Er schrieb 1935 das Büchlein »Der neue Planet Pluto«. Es beinhaltet seine frühen Forschungen zu Pluto. Kapitel über Mythologie, das Pluto-Symbol, Zeichenbeherrschung, Zuordnungen, Pluto in Häusern, Zeichen und Aspekten u. v. m. Interessant fand ich als Mensch, der von der Nazizeit nahezu nichts wieß, seine Ausführungen bezüglich Hitler. Man mag daran erkennen, in welcher Zeitqualität die ersten Plutodeutungen, die bis heute Anwendung finden, sich formten.
Die Zitate bleiben unkommentiert.

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aus: »Der neue Planet Pluto« (Seite 127)

„Pluto ist der Kündende, der Künder und Bringer einer neuen Zeit. Ist Uranus das Erwachen, Neptun das Erfühlen, so Pluto die Erfüllung des neuen geistigen Zeitalters. Mit der Entdeckung dieses Transneptuniers trat letzteres in sein entscheidendes Stadtium ein, und die erste Verbindung, die Pluto nach seiner Entdeckung mit einem anderen großen Planeten einging, nämlich das Quadrat zu Uranus, das ich an anderer Stelle als Weltwende - Aspekt bezeichnet habe, rief in den vergangenen Jahren eine derartige Umwälzung auf dem ganzen Erdball hervor, daß dieser einem brodelnden Kessel glich und die Ereignisse sich förmlich überschlugen. Auch heute noch (1935) verspüren wir die Nachwirkungen dieses bedeutungsvollen Aspekts. Der Mensch kommt nicht mehr zum Atemschöpfen und taumelt von Geschehen zu Geschehen, mitgerissen und in Bann geschlagen von der Wucht des Erlebens.
In der Tat, wir leben in den Geburtswehen einer neuen Zeit und Mutter Erde und alles, was auf ihr lebt, windet sich in Schmerzen. Den Mittelpunkt dieses revolutionären, weltbewegenden Geschehens bildet die in der Weltgeschichte einzig dastehende deutsche Revolution 1933 (Machtergreifung durch Hitler; Anm. d. V.) und ich glaube sagen zu dürfen, daß Pluto als der kosmische Aspekt der Entstehung des III. Reiches angesehen werden kann. Pluto ist das Bestreben, aus dem ewig Gestrigen herauszukommen und der Aufbruch der deutschen Revolution ist der Aufbruch einer neuen Zeit. Daß das III. Reich dem Einflusse Plutos untersteht, läßt sich leicht durch die maßgeblichen Horoskope dokumentieren:
Am 30. Januar 1933, mittags 12 Uhr, ernannte der verewigte Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. In dem auf diesen Zeitpunkt errichteten Horoskop steht Pluto im 3. Hause im Zeichen Krebs. Das bedeutet Zähigkeit im Aufbau neuer Gedanken, Umwälzung im Denken, ein neuer Geist erwacht; Pluto bildet dabei ein Sextil zu Mars und Juptier: sozialer Aufbauwille, Kampf und Begeisterung für das Neue, Kommende; Pluto Quadrat zu Uranus in 12: Vernichtung der den Staat unterhöhlenden roten Elemente.

(Anm. d. V.: Auf Seite 67 - Aspekte Pluto - Mars (positive Aspekte wie das Sextil) schreibt der Autor: Kampfeslust; Unbeugsame Willenskraft; Eiserne Energie; Strenge und Härte, Gewalt, Fanatismus; Suggestivkraft; Rekord - Tendenzen; Unersättlichkeit in der eigenen Leistung; Hier finden wir die Rekordmenschen, die nie mit ihrer eigenen Leistung zufrieden sind. Soweit die positiven Aspekte.
Zu Mars - Jupiter: Übertreibung, Enthusiasmus; stürmischer Freiheitswille; Ehrgeiz, Ehrgefühl, Stolz, Würde, extreme Tendenzen; Neigung zu Sport und Körperbewegung; Liebe zu Kult und Zeremonie;)

Im Horoskop der Reichstagswahl vom 05.03.1933 befindet sich Pluto in 11, ebenfalls wieder im Quadrat zu Uranus in 8: Umsturz der Verfassung, Geburt der nationalen Erhebung, Tod des Parlaments. Es stirbt die liberalistisch-demokratische Ära, um dem Führer - Prinzip (Pluto Trigon Sonne, Sextil Jupiter) Platz zu machen. Sonne und Jupiter stehen dabei in den dienenden Zeichen Jungfrau bzw. Fische: Gemeinnutz geht vor Eigennutz. Plutos Dispositor, der Mond, steht im 10. Hause im Trigon zur Venus: Das Volk steht hinter der Regierung. Pluto Sextil Jupiter: schöpferischer Aufbauwille. Der Umsturz (Pluto) kommt dem Volk (Krebs) zugute, erhebt den Arbeiter (Pluto Sextil Jupiter im Zeichen Jungfrau).
Beim Führer und Reichskanzler Adolf Hitler, dem Träger der nationalen Erhebung und Schöpfer eines geeinten Deutschen Reiches, steht im Augenblick der Machtergreifung der laufende Pluto im Zenit, gebunden an die beiden wichtigsten Plätze im Geburtshoroskop (Konj. M.C., Quadrat Ascendent)
. . . . .
Selbstverständlich überträgt sich der Einfluß Plutos auch auf das ganze internationale politische und wirtschaftliche Leben. Auch hier klopft der neue Geist mit dröhnenden Hammerschlägen an die Türe und verlangt gebieterisch nach Neugestaltung und Umgestaltung. Bei allen Völkern gärt es und es gibt Länder, die aus den Unruhen, Streiks, Revolutionen überhaupt nicht herauskommen, überall Umbruch und Aufbruch.
Allmählich werden die Parlamente, später auch die wenigen noch bestehenden Monarchien verschwinden müssen. Aus den Parteienstaaten müssen Führerstaaten werden. Die veraltete, liberalistisch-marxistische Denkweise wird sehr bald auch außerhalb Deutschlands dem Führer-Gedanken Platz machen müssen; denn überall erhallt der Schrei nach dem Führer.

So waltet Plutos zweigebundene Kraft,
schichtend und trennend,
tötend — gebärend,
kündend und klärend,
Herold einer neuen Zeit !

 Zitat Ende.


Liest man das ganze Buch Brunhübners durch, erkennt man schnell, daß seine Deutungen bis heute Gültigkeit für die Astrologenwelt haben. Ich stehe auch voll Bewunderung vor seinen Forschungen und Ausführungen, denn diese enorme Arbeitsleistung kann ich nicht aufweisen. Doch darf man bei alledem nicht übersehen, daß die obigen Zitate Grundlage seines Lebens und seiner Arbeit waren. Er lebte in der Zeit des Nationalsozialismus, die auch heute noch die Gemüter erhitzt, die Menschen beschämt, die Köpfe werden wieß und rot, Schuldige werden noch heute gesucht, Zahlungen geleistet, Denkmäler errichtet. Ich denke es war eine Zeit größter Bedeutung für uns heute Lebenden, und eine Klärung ist noch nicht in Sicht. Kann, darf und soll man sich somit den ersten Ausführungen über den seinerzeit entdeckten und gedeuteten Planeten hingeben? Ich hege Zweifel und wieß noch nicht, wohin dieser mich noch führen mag.

Wie eingangs schon erwähnt, bedenke ich die Zuordnung Plutos zum Zeichen Stier. Den freigewordenen Skorpion belege ich im Moment mit dem wiederum neu entdeckten Felsbrocken im All »Cheiron«. Nachfolgend meine Versuche, den unterschiedlichen Thesen nachzuspüren.

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Ich versuche nun nachfolgend den unterschiedlichen Thesen nachzuspüren. Wenn Sie Lust und Interesse an diesem "Spiel" haben, sind Sie aufgefordert, mir per E-Mail eine Mitteilung zu übersenden!



aus: Ernst von Xylander´s Buch "Astrologie", erschienen 1953 im Origo Verlag (Seite 127)

… Schon daß Pluto so klein und so weit entfernt ist, läßt uns nicht erwarten, daß er für uns viel bedeuten könnte. … Wir werden ihn deshalb wohl nur für Kollektiv-Schicksale, wenn überhaupt für irgendetwas, verantwortlich machen können. In unseren individuellen Horoskopen braucht er uns nicht allzusehr zu fehlen.
… dem Zeitpunkt der Entdeckung Plutos, der natürlich rein zufällig ist, aber nach astrologischer Auffassung gerade darum etwas bedeuten kann.
… so bringt man Pluto (1930) eben mit der technischen Ausnutzung der Atomenergie in Verbindung, sowie mit den Ausbrüchen kollektiven Mordwahnsinns, die wir im zweiten Weltkrieg und in der nachfolgenden Zeit erlebt haben. Wer will, kann solchen Beziehungen nachgehen.
Es wäre also anzunehmen, daß Pluto innere und äußere Katastrophen, radikale Umwälzungen und das Losbrechen einer urtümlichen Gewaltsamkeit bedeute. Auch einen Trieb zur Selbstzerstörung könnte man ihm zurechnen. Er müßte magische Wirkungen von unwiderstehlicher Kraft auslösen. Wilder Fanatismus, den einer in sich selbst hätte, könnte sich da auf Andere übertragen und sie in einen Rausch des Mordens und Vernichtens versetzen.

Anmerkungen:Zuerst darf ich versichern, daß die Auslassungen den Sinn des Textes nicht verfälschen.
An Xylanders Aussagen ist, wie auch bei Brunhübner, gut zu sehen, wie sehr die Atombombe und der 2. Weltkrieg die Deutungen über Pluto prägten. Es muß nochmals betont werden: Bis in die heutige Zeit! Bedenkt man, daß zur Deutung der sieben klassischen Planeten (Sonne, Mond und Merkur bis Saturn) sicherlich Jahrzehnte oder Jahrhunderte zur Verfügung standen, darf man getrost an der Pluto-Deutung rütteln und sehen, ob verwelktes Laub zu Boden fällt. Das Wort "magisch" fiel mir in obigem Text auf. Offensichtlich wurde die atomare Kraft mit Magie gleichgesetzt, wurde diese ungeheuere Zerstörungsenergie als ein unbegreiflicher Vorgang gesehen. Heute wissen wir, daß die Atombomben jener Zeit auch wieder nur lächerliche Ausmaße hatten. Auch der wilde Fanatismus, den Einer auf Viele überträgt ist nicht haltbar, da es hierfür viel zu wenig lebendige Beispiele gibt.



aus: Alfred Fankhauser´s Buch "Das wahre Gesicht der Astrologie", erschienen 1952 im Orell Füssli Verlag (Seite 78)

Auch Fankhauser hat zu Pluto 17 Jahre nach Brunhübner noch nichts zu sagen.
Zitat:
Man hat den neuentdeckten Planeten (Pluto) sogleich dem Widder zugeordnet. Der Verfasser kennt aus seiner Erfahrung ein einziges Beispiel, das einen marsverwandten Charakter Plutos zu bestätigen scheint. Ein Knabe, bei dessen Geburt dieser "Über-Mars" 5 Minuten vor dem Aufgang stand, verbrannte sich mit fünf Vierteljahren beide Händchen an einem rotglühenden Ofentor.



aus: Robert Hand´s Buch "Planeten im Composit", erschienen 1991 im Hugendubel Verlag (Seite 351)

Pluto ist der Planet des Todes und der Erneuerung. … Pluto ist mit einer derart großen Macht wirksam, daß er von seinem Aspekt "Tod und Erneuerung" getrennt, und rein als Kraft oder Energie erfahren werden kann. Dieser machtvolle Einfluß ist eine Folge aus der Unvermeidlichkeit von Plutos transformierender Eigenschaft. Die von Pluto regierten Wandlungsprozesse ergeben sich aus der inneren Natur dessen, was verwandelt wird. Seine Wirkung ist ein ebenso fester Bestandteil einer Wesenheit, wie es Gewicht, Größe und Farbe für ein Objekt ist. Alles Leben schließt in sich die ganze Folge von Umständen ein, die letzten Endes seine gesamten grundlegenden Veränderungen hervorrufen werden, wozu auch sein Tod gehört. Die Kraft Plutos kommt von innen heraus.

Anmerkung:Auch Hand schreibt Pluto den Tod - an Körper, wie am Seelen- und Geistleib - zu. Das Wort "Erneuerung" oder "Transformation" wurde eingeführt, weil kein Astrologe bislang Pluto mit dem Tode in Verbindung bringen konnte. Anstatt das Prinzip von Pluto zu erfassen, wurde rasch ein Fremdwort in die deutsche Astrologensprache eingeführt, das den körperlichen Tod als nicht zutreffende Deutung in eine Verharmlosung und Verallgemeinerung überführt: "Transformation". Dieses Wort, in seiner Bedeutung nicht zu fassen, ist nun in allen Astrologen-Mündern und beschwört herauf, daß ein Mensch sich zu verändern hätte! Welcher Mensch tut dies nicht? Und wieviele Veränderungen gehen freud- statt leidvoll vonstatten!? Pluto ist immer die schmerzliche Veränderung, heißt es. Ein Planetenprinzip ist ein Zustand, kein Vorgang. In welcher Ecke liegt Pluto nach vollbrachter Veränderung? Ich denke, daß hier die Psychologie schon zuweit in die Astrologie hineinragt, schon im Begriff ist, die Astrologie in ihre Fänge zu nehmen und ihr Wesen, ihr Wesentliches, zu überformen. Nochmals: Pluto hat nichts mit Tod zu tun, Pluto hat auch nichts mit Veränderung zu tun. Wenn ein Mensch sich verändert, so ist dies ein seelischer Vorgang, eine Bewegung im Innersten des Menschen, somit im 2. Quadranten, speziell im Krebs.
Zudem wird jeder astrologisch Interessierte wissen, daß jede Planetenkraft verändert - transformiert - werden kann. Somit kann die "Transformation" keine Grundeigenschaft eines Planeten sein.

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aus: »Pluto - Das Erotische und Dämonische« von J. C. Weiss & V. Bachmann, erschienen 1989 in der Edition Astrodata

Pluto-Themen manifestieren sich auf vielfätlige Art. Sie sind oft maskiert. Wie der mythologische Hades besitzen sie eine Tarnkappe, die sie unsichtbar macht. Dem astrologischen Laien fällt es daher oft schwer, hinter all den verschiedenen Entsprechungen und Masken das zu findes was Pluto ausmacht. … Es wird dann ersichtlich, daß es letzlich fast immer um Fragen geht, welche mit macht, Sexualität und Tod zu tun haben, also um Bereiche, die in unserer Kultur tabuisiert sind. … Nur die Kenntnis der astrologischen Entsprechungen oder eine tiefreichende psychologische Arbeit kann eine Verbindung zwischen den ursprünglichen Energien in der Realität herstellen.

»Dies ist unter der Überschrift "Pluto-Themen in der Praxis" zu finden. Man wieß nicht, was es ist. Nur der Astrologe und der Psychologe können dem auf die Spur kommen. Mal sehen, ob das Team Weiss/Bachmann noch mehr auf Lager hat.«
Die vielleicht beste Möglichkeit, Pluto-Energien im Alltag zum Ausdruck zu bringen, besteht in der Beschäftigung - sei es als Beruf oder als Hobby - mit Bereichen, welche die Intensität, die Energie, aber auch das zugleich faszinierende und abstossende Dunkle, Hintergründige des Pluto beinhalten.
»Welche Planetenenergie wird nicht durch Beschäftigung zum Ausdruck gebracht?« Die grossen Energien, gepaart mit dem Bedürfnis nach Macht, sind zum Beispiel gute Voraussetzungen für eine Managementfuktion oder eine politische Karriere. Viele herausragende Politiker sind daher starke Pluto-Typen, wie z.B. J. F. Kennedy. Die Tatsache, daß auch Prinz Charles ein Plutoniker ist, läßt C. Weiss darauf schließen, daß Pluto oft auf eine machtvolle Familie hinweist.
»Hier geht er mit W. Döbereiner gleich: die ererbte Erfahrung«
Der Thematik des Aufdeckens von Hintergründigem, des Demaskierens und des Durchschauens entsprechen kriminalistische Tätigkeiten, auf einer anderen Ebene gelebt, führt es zu tiefenpsychologischer Arbeit oder zum Forschen in Grenzbereichen wie bei C.G. Jung (Mond-Pluto).
»Jungs Horoskop weist sicher bessere Konstellation für seine Lehre der "Archetypen" auf.« Es folgen auf den Seiten 52 - 55 Einzelbeispiele, in denen an Hand der benannten Pluto-Konstellationen bestimmte Ereignisse festgemacht werden. Es ist aber nicht nachzuvollziehen, da alle übrigen Radix-Daten verborgen bleiben. Hat C. Weiss einen starken Pluto-Einfluß, der ihn nötigt, nichts zu offenbaren?
Ansonsten wird Pluto als positiv wie negativ wirkend beschrieben, immer aber mit dem Attribut "Macht = etwas machen" versehen. Auch "gewaltige Energie" taucht oft auf. Unter Pluto im Schützen schreibt er: "Religionskriege (Schütze: die Überzeugung, Pluto: die Waffen).
Weltweite Sinnsuche; ein neues Weltbild, das bisher von einer Minderheit vertreten wurde, wird zum Haupterklärungsmodell.

Schlußbemerkung: »Ich will hier nicht mehr zum Plutobuch von Claude Weiss schreiben. Man hofft, bei diesem Titel auf fundierte Darstellungen und Informationen. Fakt ist, daß allgemeine psychologische Floskeln die Seiten füllen, und die Aussagen auf jeden Planeten übertragbar sind. Eine Aussage, die in irgendeiner Form griffig wäre, ist darin kaum zu finden.«

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aus: »Der Mensch im Horoskop« von Wilhelm Knappich, erschienen 1951 im Verlag Moritz Stadler

auf Seite 62 zu Haus 2 schreibt der Autor:
Noch einmal bohrt sich der Geist in den Stoff und will ein neues Saatfeld schaffen, will durch Dammbauten und Bodenverbesserung den Menschen Arbeit und Brot verschaffen. Wir sind nun im 2. Haus, das die Alten "Haidu Pyle" oder "Porta Iinferna" nannten, d. h. die untere Pforte, die aus der Unterwelt in die Hohe führt. Hier in diesen "schrecklichen Sitzen" - wie Manilius sie nannte -, haust der grimme Erdgeist Typhon wieder, der Herr der unterirdischen Schätze, der vielleicht dem neuentdeckten Planeten Pluto ähnelt. So ist das 2. Haus für das Besitzergreifen des Stoffes, für Erwerb und erworbenes Vermögen, Geld und Finanzen bedeutsam. Dem entspricht auch das 2. Zeichen, das fixe Erdzeichen Stier, das wie seine Herrin, die erdhafte Venus, die Liebe zum Besitz, zum Geldverdienen und zu allen real greifbaren oder wirtschaftlich-rentabeln Unternehmungen erweckt.

Anmerkung:
»Knappich sieht einen Zusammenhang zwischen dem Planeten Pluto und dem 2. Haus, dem Stier. Sein Buch wurde 20 Jahre nach der Pluto-Entdeckung veröffentlicht, und damit stellt er sich - wohl als erster - den üblichen Zuordnungen Pluto - Skorpion entgegen.«

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Aus meiner Sicht haben sich nur wenige Astrologen sonderlich mit der Frage beschäftigt, weshalb Pluto dem Skorpion zugeordnet wird (Ausnahme Brunhübner). Alle nehmen sie dies einfach als gegeben hin, und stellen Ihre Aussagen auf die Beine einer wenig hinterfragten Annahme. Die insgesamt schwammigen, dehnbaren Beschreibungen Plutos wurden von den Autoren wohl kaum einer Prüfung überzogen, vielmehr wirkt alles schön auswendig gelernt und übertragen.
Für meine Ausführungen hier bekam ich bislang fast ausschließlich Beschimpfungen als „Kritik“, keine Angebote zur Diskussion.



Pluto wird als Planet dem Zeichen Stier zugeordnet.

Die ehemalige Stelle Plutos im Skorpion nimmt Cheiron ein.

Die nachfolgenden Gedanken und Überlegungen sind bislang bitte auch nur als solche aufzufassen, da sie den bisherigen Deutungen zum Teil widersprechen oder doch zumindest Fragen offenlassen. So kann ich mir bislang die Gewebsbildung des Körpers mit Pluto im Stier noch nicht so recht vorstellen. Doch womöglich gibt es hier Rhythmen im Leben, die noch nicht gesehen, noch nicht im Licht der Öffentlichkeit stehen. Ich denke z. B. gerade an den Lauf der Venus, die sich dem Pluto nähert (=Persephone wird in den Hades gezogen) und die sich vom Pluto wieder entfernt (=Persephone lebt wieder ein halbes Jahr auf der Erde - beim Zeus!). Vielleicht sind Ihnen diese Gedanken Anregung, vielleicht auch nicht, und Sie sagen, so ein Blödsinn.

Homer nennt "Gaia" die Herrliche, die Frucht- und Lebensspenderin. Ihr Machtbereich erstreckt sich vom Unter-Irdischen bis an den Himmel. Somit sind Leben und Tod in ihr vereint, und es scheint unmöglich, diese zu trennen. Als unterirdische Göttin wurde sie von Zauberern und Schatzsuchern angerufen. Sie ist Unterwelts- und Todesgöttin, sie birgt in sich die Toten und die Gräber. Sie ist die Mutter von Titanen und Göttern, von Kyklopen und Giganten, Erinyen und Nymphen. Sie ist Gebärerin und Mutter, in der das weibliche Geschlecht in seiner ganzen Macht sichtbar wird. Sie ist aber nicht die Göttin der ehelichen Verbindungen, was ein Hinweis darauf ist, daß die Venus nicht über Waage und Stier herrschen kann. Als Mutter (Matriarchat) achtet sie nur ihre Kinder, nicht ihre Gatten und die Väter der Kinder. So läßt sie den Zeuger Uranos durch ihren Sohn Chronos entmannen, nachdem Uranos ihre schrecklichen Kinder in den Tartaros, also wieder in den Schoß der Gaia zurückstieß. Im Auftrag der Mutter gehen die Kinder gegen die Väter vor. Ein herrliches Abbild des Matriarchalen, das auch in unserer Zeit herrscht. Auch heute stehen hinter den Männern die Frauen, die ihnen sagen, was und wie sie zu handeln haben, was grundsätzlich nicht verkehrt ist, wenn es eine Mann - Frau Beziehung gelebt würde. Diese Verbindungen aber sind zumeist Mutter - Sohn Verhältnisse. Gaia schützte ihre Söhne sogar, wenn diese zu Räubern und Vergewaltigern wurden, da sie keine Frau neben sich sehen konnte. Sie will Mütter, keine Gefährtinnen und Geliebten.
Ihre Stärke liegt in ihrer Beharrlichkeit, zugleich ist sie von einer Schwere, die unbeweglich macht. Es ist dies die Schwere der Bauern, gegenüber der Wendigkeit der Jäger. Sie kann sich nur mit Mühe aufrichten, bewegt sich langsam, leidet unter Veränderungen und möchte alles in seinem Bestand schützen und erhalten. Dies zeigt die Verbindung zum Erdzeichen Stier an.
Gaia gebiert viele Kinder, unter ihnen auch die schaurigen Giganten mit hundert Köpfen, Kerberos, den Höllenhund (auch er hat mehrere Köpfe), die lernäische neunköpfige Schlange, die dreiköpfige feuerspeiende Chimäre. Diese sind die Wächter der Gaia, sie sind Zerstörer, Vernichter, Verschlinger des Lebens (der Lebendigkeit - 2. Quadrant) und der Schrecken, den sie verbreiten, ist groß. Diese ungeheuerlichen Wesen wollen herrschen und beherrschen, sind aber tatsächlich nur zum Dienen berufen, so wie der Körper (Stier) Diener des Geistes sein soll. Wo sie sich nicht fügen, müssen sie vernichtet werden. Dies ist Aufgabe des Zeus, der das Werk mit Hilfe seines Sohnes Herakles verrichtet. Da die Grauenhaften Erdenwesen sind, kann ein Gott alleine sie nicht bezwingen, es bedarf eines Menschen. Herakles ist halb Gott, halb Mensch, ein Sterblicher mit hohem Geist, der durch Cheiron, den göttlichen Kentauren, ausgebildet wurde. Nur seinen geschulten Geist- und Körperkräften ist es zu verdanken, daß die ungestümen Kinder der Gaia bezwungen werden konnten. Herakles wütet unter ihnen, denn das Rohe und nur Erdhafte ist ihm verhaßt. Alle Wesen, die keine uranischen, himmlischen, geistigen Züge an sich haben, werden von Herakles bekämpft. Zu diesen zählen auch die Giganten, die er ebenfalls wieder in das Erdinnere verbannt. Die Giganten werden als Frevler und Götterfeinde bezeichnet, die den Olymp erstürmen und sich an den Göttinnen vergreifen wollen. Zeus und Herakles kämpfen sie gemeinsam nieder. Das Gigantische ist für den sterblichen Menschen Bedrohung und zugleich maßlose Versuchung. Der Mensch möchte selbst diese riesenhaften Kräfte haben, zeigt ein Streben zum Monumentalen. Aus diesem Grunde ist die Geschichte des Herakles so wichtig und interessant, den seine Kräfte sind athletisch und geistig zugleich. Er pflegt das Ebenmaß und die Muse. Denn: "Ohne Muße wäre das Leben zu roh und zu dürftig." Dies ist der Moment, in dem der Mensch Herr wird über seine Triebe und fähig wird ein Leben in Frieden zu führen.

Diese Betrachtungen über Gaia tragen alle die Züge des Planeten Pluto, der die Massen zusammendrängt und mit seiner geballten, rohen, unbedachten Kraft über die Welt hinwegfegt. Die Krake des sozialen Zusammenschlusses wird stärker, je mehr triebhafte, ungeistige Menschen ihre Fangarme bilden. Doch es genügt ein Mensch des Geistes, um sie zu bezwingen (ein Herakles gegen das Meer der Gewalttätigen). Daran mag man sehen, wie sehr sich unsere Gesellschaft, die eine Gesellschaft der Gaia ist, gegen jede Form von Eigenart wappnet. Jede Bewegung wird gesetzlich geregelt, um dem freien Geist die Wege zu versperren. Doch der Geist kann zum Glück die Luft als Weg nutzen, während die Kinder der Gaia die Erde belagern. Übrigens konnte Herakles einen Giganten bezwingen, indem er ihn von der Erde abhob; damit hatte dieser seine Kraft verloren. Nimm einen aus der Masse heraus, und er jammert wie ein Wurm, um, in die Masse zurückgekehrt, ein Messer nach dir zu werfen. Die Giganten unterscheiden sich auch kaum im Aussehen, sie sind von gleichförmiger Art, uniformiert mit grauen Anzügen, Wortschablonen auf den Lippen und ein Staatsdiplom an der Wand.

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Die große "Erdmutter" und ihre Namen:
In manchen Büchern wird dem astrologischen Stierprinzip die Urgöttin Gaia zugeordent in anderen wieder die Demeter. Aufklärung finden wir in Karl Kerenyis »Die Mythologie der Griechen« (Seite 146). Er erklärt folgendes:
Da war ein uralter Name für Ga, Gaia. De-meter oder De-mater trug wahrscheinlich in ihrer Eigenschaft als "Erd-Mutter" diesen Namen, und in derselben Eigenschaft hatte sie Poseidon zum Gatten. Gaia - Demeter zeugt denn z. B. auch mit Zeus die Tochter Persephone, in der sie sich selbst wieder gebar. So ist zu erkennen, daß im Laufe der Göttergeschichte, dieselben Göttergestalten sich wandelten und andere Namen, doch stets ähnliche Wirkungsbereiche trugen. So gilt Gaia, Demeter und Persephone als Erdgöttin. In antiken Darstellungen ist Gaia meist halb aus der Erde herausragend, halb in der Erde steckend dargestellt. Allerdings ist ihre Macht so groß, daß sie bis zum Himmel des Uranos und bis in die Tiefen des Tartaros reicht, wo ein Großteil Ihrer Geschöpfe (Kinder) ihr Dasein fristen. Auch Persephone lebt halb in, halb auf der Erde. Sie wurde ja von Hades in sein dunkles Reich entführt, konnte aber die Hälfte des Jahres an der Oberfläche verbringen. Auch Pluto kann sein Erdreich verlassen. Er ist nicht fest daran gebunden. Die selbe Geschichte in immer anderer Form!? 
aus: "Traumpfade" von Bruce Chatwin: (Kapitel 3)
»Die Aborigines haben eine erdgebundene Philosophie. Die Erde schenkte einem Menschen das Leben, gab ihm seine Nahrung, seine Sprache und Intelligenz; und die Erde nahm ihn zurück, wenn er starb. Eines Menschen "eigenes Land", und war es auch nur ein öder Landstrich mit Spinifexgestrüpp, war eine heilige Ikone, die unversehrt bleiben mußte.
Wenn man die Erde verwundet, verwundet man sich selbst, und wenn andere die Erde verwunden, verwunden sie dich. Das Land sollte unberührt bleiben: so wie in der Traumzeit, als die Ahnen die Welt ins Dasein sangen.
Die Aborigines waren ein Volk, das auf leichten Füßen über die Erde schritt; und je weniger sie der Erde wegnahmen, um so weniger mußten sie ihr zurückgeben.
Die Kriege des zwanzigsten Jahrhunderts sind der Preis dafür, daß zu viel genommen wurde.
Aborigines glaubten, daß alle "lebenden Dinge" im Verborgenen unter der Erdkruste gemacht worden waren, wie auch alle Maschinen des wießen Mannes - seine Flugzeuge, seine Gewehre, seine Toyota-Landcruiser - und alle Erfindungen, die man noch erfinden würde; sie schlummerten unter der Oberfläche und warteten, bis sie gerufen wurden.«

Anmerkung: Diese Textstellen bringen die Erdmutter, Mutter Erde, in ein Licht des Schaffens und der Achtung. Die Aborigines sehen die Erde als die Spenderin des Lebens und der Dinge. Aus ihr kommt alles, in sie geht alles zurück, ähnlich dem Bild der Gaia, die halb in der Erde steckt und halb herausragt. Es ist der Kreislauf des irdischen Daseins, und wer sich selbst zum Lebensspender erheben will, wer diese kraftvolle Gabe der Erde entreißen will, zieht das Unglück folgerichtig nach sich.

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Pluto im Horoskopkreis
Gaia ist die Erdmutter, das Materielle, Reale. In ihrem Inneren, unter der Erdoberfläche befinden sich die Reiche des Hades (=Pluto) und der Tartaros, ebenfalls ein lichtloses Reich, in den die Giganten (=Kinder der Gaia) durch Zeus gestoßen werden.
Pluto entspricht der gefangenen Seele. Wo kann das Seelische gefangen sein, wenn nicht in der Erdbindung?
In Plutos Reich sind alle Wesen gleich, grau, farblos, blutleer und damit ohne eigenen Antrieb, ohne eigenes Leben. Sieht man sich uniformierte Menschen an, oder Sekten, in denen alle die gleiche Kleidung tragen, bekommt man ein schönes Bild der Vermassung und vom Verlust des Individuellen. Pluto ist die graue Masse und die Grausamkeit hängt auch damit zusammen, daß es nicht auffällt, wenn einer aus der Masse weg ist, zertreten am Boden liegt, stirbt.
Selbstverständlich hat dieser Pluto durchaus auch seine Sinnhaftigkeit und seinen Platz im Kreise der Planeten und Zeichen. Wie immer macht es die Gewichtung. Der enge Zusammenschluß mag geeignet sein für Kinder, für Heranwachsende, vielleicht auch für Auszubildende. Er bietet damit einen sicheren Rahmen. Allerdings sollte dieser Kreis mit dem Erwachsenwerden, mit der Eigenständigkeit verlassen werden. Ist es unsinnig zu behaupten, daß Menschen in Uniform nicht eigenständig sind, daß Arbeiter von Mercedes, Siemens oder Telekom nicht eigenständig sind? Ich denke nicht, wenngleich man auch hier keine starre Grenze ziehen darf. Es kommt natürlich auf die innere Haltung des Einzelnen und seine Lebensumstände an. Auch ein eigenständiger Mensch muß heute Geld verdienen und kann so in die Fänge dieser Molochfirmen geraten. Er wird sich aber zumeist auch wieder daraus befreien, bzw. rausgeworfen, weil er unverdaulich ist. Das System der grauen Zellen duldet keine roten, grünen oder gelben unter sich. Es zermalmt sie, wenn sie nicht vorzeitig wieder gehen.
Pluto bewegt die Massen, den sozialen Zusammenschluß. Das Soziale zeichnet sich dadurch aus, daß es ausschließt, und kein Planet ist ausschließender als Pluto. Die Abgrenzung, das Soziale, der Ausschluß, das Sichern der Pfründe - sollte dies im dritten Quadranten, im Begegnenden liegen? Nein, es ist der direkteste Vorgang, dem nicht einmal eine Idee zu Grunde liegen muß. Es ist Natur, Natur des Körpers, der nicht anerkennen will, daß er Seele und Geist in oder um sich hat. Und hier kommt wieder Cheiron ins Spiel - Der Lehrer im Geiste, der den Körper, die Seele und den Geist bildet, formt, in Einklang bringt.
Der unterirdische Zeus (=Hades/Pluto) ist nicht nur der finstere, grämliche Wächter der Toten, er ist auch der Herr der Metalle und der Spender des aus der Erde hervorsprossenden Segens. Und, nicht zu vergessen, der Gatte der Persephone (=Demeter/Gaia).
Hades/Pluto hat nichts mit dem Teufel dualistischer Religionen wie dem Christentum zu tun, der dort das Prinzip des Bösen und der Finsternis vertritt und die Menschen mit Versuchung und List auf den verderblichen Pfad führt. Solches war den Griechen unbekannt. Hades thronte vielmehr mit seiner Gattin Persephone in seinem unterirdischen Palast. Das Leben der Persephone - halb unter, halb über der Erde - mag uns auch den Rhythmus von Fruchtbarkeit und Brachland zeigen. Die zeitliche Teilung ist unsicher; manche lassen die Persephone 4 Monate, andere 6 Monate im Hades leben. So wäre sie für 6 - 8 Monate über der Erde. Möglicherweise ist diese Zeitenteilung regional- oder zeitenabhängig. Steht ihre Zeit auf der Erde für die fruchtbare, die fruchtwachsende und -reifende Zeit, gibt es sicherlich Unterschiede in Zeit und Ort. Diese Gedanke führt wieder dahin, daß das Zeichen Stier und seine Teilung in die Planeten Pluto und Venus auch eine Jahreszeitenteilung in sich trägt. Nehmen wir für den Moment an, daß die Stierzeit der Venus mit dem Widder beginnt und mit der Jungfrau endet, so beginnt mit der Waage die Plutozeit, die sodann in den Fischen endet. So gesehen können verschiedene Ansichten untersucht werden, wann das Zeichen Stier von Pluto, wann von der Venus beherrscht würde. Im persönlichen Horoskop kann man dies untersuchen, indem man sagt: Venus in den Zeichen Widder - bis Waage = Stier, oder Venus in Separation zu Pluto entspricht dem Stier, während Venus im Zulauf zu Pluto den Pluto als dominanten Stierherrscher ausgibt. Die Konjunktion und Oppostion von Venus und Pluto wären damit die Wechselstunden.
Skorpion ist laut Döbereiner die Förderung. Dies entspricht dem Kentauren Cheiron. Er förderte seine Zöglinge, unterrichtete sie in allen Künsten (=Wasserelement).
Ich kenne Skorpion-Sonne und Skorpion-Ascendent Menschen. Den Zug ins Mystische, ins Magische kann ich aber nur bei den Menschen mit Skorpion-Ascendent erkennen. Die Skorpion-Sonne ist, ähnlich dem Cheiron, von ausgeprägter Lebendigkeit, Intensität und Ausdruckskraft. Der Skorpion-Ascendent hingegen hat als Descendent, als Begegnungsfeld stets den Stier. Somit ist sein Denken auf das Stierhafte, Bindende und damit auch Magische gerichtet.

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Pluto-Verbindungen

Die Verbindung <>Pluto - Uranus wäre damit endlich lesbar.
Es ist der Kampf von Himmel und Erde, wie er auch 1968 stattfand. Die Freiheit wollte sich zeigen, die Erde, diese unmäßige Zentrifuge hat mit Hilfe ihrer Kinder den Himmel bezwungen. Gaias Sohn Kronos entmannte seinen Vater und Bruder Uranus, den Himmel. Die Giganten, deren Kennzeichen die enorme Körpergröße und ihre meist vielköpfigen Gestalten sind, kämpften gegen die Götter an. Die Götter, allen voran Zeus, entsprechen dem Menschsein, der Gestaltkraft des Löwen. Sie alleine konnten die Giganten nicht bezwingen. Dazu bedurften sie der Hilfe des Herakles, des Zöglings des Cheiron, also der Hilfe des Bewußtseins des erwachten Menschen, der mit der Göttlichkeit verbunden war.
Was ist die heutige Politik anderes als eine hundertköpfige Chimäre. Sie herrscht im Reich unserer Zeit, im Reich des Sozialen, im Reich der Verflechtungen. Es ist ein Reich, in dem der Einzelne als Selbstständige Gestalt nicht geduldet ist. Man erkennt es an den Verflechtungsangeboten der Politik und Wirtschaft. Will sich heute ein Mensch selbständig machen, werden ihm "Existenzgründungsdarlehen" angeboten. Damit ist er schon einmal einem Kopf der hundert zum Frauß vorgeworfen. Ohne Bank geht gar nichts (glauben die), ohne Anwalt, Steuerberater, Unternehmensberater, IHK, und so fort auch nicht. Eigensinn und Einzigartigkeit wie ihn Uranus so gerne hat, werden mit allen Machtmitteln der Gesellschaft (Haus 2 - Stier) unterbunden. Der Kampf Erde gegen Himmel tobt heute erbitterter denn je. Die Astrologie, sofern sie nicht in einen Verein eingebunden ist, ist noch in der Lage dem uranischen Anteil im Menschen Grundlage zu bieten. (Kleines Beispiel: Mein Verlag arbeitet ohne Kredite, Steuerberater, Anwalt, IHK …)

Mars - Pluto:
Eine der stärksten Formen der zerstörerischen Aggression. Hitzigkeit und Durchsetzungskraft in Verbund mit dem Gigantischen, das sich jegliche Materie untertan machen will. Das männliche Mars-Prinzip tritt in die Dienste des weiblichen. Das weibliche der Gaia bedeutet den Ausschluß des Himmels, der Zufälligkeit, des Unerwarteten. Alles muß geplant und überschaubar sein. Vorallem muß die Materie sich über das Himmlische hinausdehnen. Nur so kann der Mensch alles beherrschen. Und um nichts anderes geht es dem Stierhaften. Die absolute Kontrolle über die Erscheinungen, alles von einem zentralen Punkt aus kontrolliert und gesteuert. Wer nicht mitmacht wird in die Unterwelt verdrängt, bzw. ist das seelische des Stieres bereits in der Unterwelt beheimatet. Daraus ergibt sich die Nichtachtung des einzelnen Lebens, des Subjekts, des Individuums. Das Einzelne soll den hundert Köpfen der Giganten angepaßt werden, um deren Macht zu steigern. Nur der kollektive, sozial gebundene Wille zählt. Körperliche Aggression und Gewalt sind hier beheimatet.


Merkur - Pluto:
Merkur - Pluto hat noch die subjektive Chance, die Kollektivmächte zu erkennen und sich ihnen durch Anpassung halbwegs zu entziehen. Merkur hat als Einziger ungehinderten Zugang und kann die Verhältnisse beschreiben. Er kann die Wege in und aus der Unterwelt heraus kenntlichmachen.


Venus - Pluto:
Kampf des Sozialen gegen die Schönheit. Die Schönheit Aphrodites, des freien Bewußtseins, der Tochter des Uranus, kann vom Kollektiven nicht ertragen werden. Es ist der Kampf Mutter - Tochter, der Kampf Gemeinschaft gegen Einmaligkeit, der Kampf ewig-körperlichen Seins gegen die Endlichkeit der Zeitformen. Ähnlich wie Pluto - Uranus.


Mond - Pluto:
Die Macht der Mütter. Die gefangene Einzelseele. Die kollektive Seelenverdrängung (Pluto) verleibt sich die Einzelseele (Mond) ein. Gefangen im dunklen Turm der Traurigkeit erinnert sich die Seele über die Wasserelement-Verbindung hin zum Fisch und Skorpion, daß es außer Buckeln und Schuften noch anderes gibt. Sehnsucht steigt auf und wird von Zeit zu Zeit zum drängenden Aufschrei nach Freiheit und Menschsein im Sinne der Sonne: es kommt zum empfindungsgeladenen Ausbruch. Mond - Pluto ist der Krug, der immer bis zum Bersten gefüllt wird und dann zum Lebendigen hin explodiert.


Sonne - Pluto:
Die gefangenen Väter. Die Kollektivseele hält die Lebenskraft des Zeus, des Individuums in sich gefangen, auf daß er der Gaia Tempel baue, die Ihre Größe und Macht demonstrieren und ausüben. Konzerne sind die Tempel der Macht und der Sonne - Pluto Mensch wächst nicht zum Individuum heran. Er stellt seine Existenz in den Dienst des Kollektiven, des Vermengten. Er bleibt Jüngling (Döbereiner), vertauscht seine innere Entwicklung mit der äußeren Größe. Stellen Sie einem Sonne - Pluto Mann eine echte Frau gegenüber und er wird verlegen, wieß sich nicht mehr zu verhalten. Stellen Sie ihm eine "Mutter" gegenüber und er wird ihr zeigen, wie groß sein Baukasten schon geworden ist. Das nennt man heute Karriere.
Mick Jagger (Sonne - Pluto im Löwen am Ascendenten) besingt es in aller Deutlichkeit mit seinem Erfolgssong: "I cant get no Satisfaction".
Isabel Allende (Sonne - Pluto Konj. Im Löwen) sucht sich in Ihrem 1998 erschienen Buch "Aphrodite" aus den mütterlichen Fängen hin zur freien Geliebten zu bewegen. Es gelingt ihr nicht. Das Buch ist eine Aneinanderreihung von Aphrodisiaka, in recht unsinnliche, nüchterne Texte gehüllt, mit Kochrezepten ihrer Mutter. Der Kampf des Lebens (Sonne) gegen die Erdmutter Gaia (Pluto) ist mit über fünfzig Jahren noch nicht gewonnen. Doch sind ihre Bücher Bücher für die Masse (Pluto), die das Buch wieder loben wird.

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© Peter Kern


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